Seit Anfang 1982 wird regelmäßig beim Natur & Kultur e.V. gemalt, skizziert und gezeichnet.
Jedefrau und Jedermann, die oder der Lust hat mit Pinsel und Farbe oder mit Stift und Feder zu hantieren, ist herzlich willkommen. Hin und wieder sehen wir uns Bilder anderer großer Meister und Meisterinnen an. Und einmal im Jahr geht es für ein paar Tage gemeinsam aufs bzw. ins Motiv, das heißt, in die Natur auf unsere traditionelle Malreise
Kontakt: über Gerhard Dallmann, 030 / 411 10 20
Malen
und Zeichnen sind Tätigkeiten, die eine Verbindung von Handfertigkeit und
Wahrnehmungsaktivität erfordern. Wahrnehmen und Tun, durch Tun wahrnehmen
und auf der Grundlage von Wahrnehmungen tätig werden - das beides sind
wesentliche Äußerungen menschlichen Lebens Überhaupt. Wenn Menschen in der
Großstadt in unserer Überzivilisierten Zeit ohne äußeren Anlass, wie
beispielsweise der einer beruflichen Qualifizierung oder einer Therapie,
damit beginnen zu malen und zu zeichnen, dann wohl hauptsächlich deshalb,
weil sie spüren, dass diese Tätigkeiten sie zu den Quellen menschlichen
Daseins führen können. Wir haben oft an unseren Abenden Situationen
erlebt, wo der eine oder andere und manchmal auch alle erfahren haben,
dass
sie die Gegenstände neu sehen, daß die bildliche Darstellung zu einer
neuen Sichtweise führte. Dieses neue Sehen, was ja im Grunde nichts weiter
ist als Sehen Überhaupt, die bewußte Wahrnehmung dieser Welt, ist
wesentlicher Gewinn unserer Tätigkeit.
Die Entscheidung für den Malkurs enthält m. E. aber noch ein weiteres
bedeutsames Motiv: den Widerstand gegen blinden Medienkonsum. Dieser
Widerstand geschieht realiter schon dadurch, daß wir an den Abenden, an
denen wir malen, nicht fernsehen. Darüber hinaus aber wird an jedem der
Malabende erlebt, was aktive Wahrnehmung ist, die aus eigenen Kräften
geschieht und aus persönlichen Motiven gespeist wird. Die selbständige
Auseinandersetzung mit der Welt des Sichtbaren und die Entwicklung der
eigenen Kräfte sind die besten Voraussetzungen für eine kritische Distanz
zur Reizüberschwemmung durch die Medien.
Ohne Zweifel ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Angebot der
Medien, heute nötiger denn je! Das wird ohne radikale Distanz
dazu kaum zu leisten sein. Es gibt zwar eine intellektuelle Kritik an den
Medien, aber gegen die sinnliche Faszination und Verführung von Video,
Fernsehen und Radio vermag sie nur wenig auszurichten. Hier hilft nur die
grundsätzliche Verweigerung und die aktive Wahrnehmung eigener Bilder.
Erst auf dieser Grundlage kann das Medienangebot selbständig beurteilt
werden. Wer Über eigene Bildwahrnehmungen verfügt, ist weniger anfällig
für Klischee-Bilder und Als-ob-Bedeutsamkeiten, wie sie uns täglich ins
Haus geliefert werden.
Neben diesen beiden wichtigen Aspekten unserer Mal- und Zeichentätigkeit
muß noch ein dritter wesentlicher Punkt genannt werden. Er ist in meinen
Augen mindestens ebenso bedeutsam wie die beiden anderen. Jede Zeichnung
und jede Malarbeit ist ein persönlicher Ausdruck. Es ist uns oft
aufgefallen, daß die Werke eine typische Auffassung zeigen. Und die alten
Hasen können vielen Arbeiten ansehen, von wem sie stammen. Das heißt doch
aber, daß sich jeder von uns an dem Malabend sich selbst gegenübersteht.
Wir haben es mehrmals erleben und die damit verbundene Betroffenheit
bemerken können. Spätestens bei der Schlusskritik erlebt jeder Maler diese
Auseinandersetzung mit sich selbst. Dieser Blick auf sich selbst, die
damit gegebene Möglichkeit der Selbstreflexion, des zu sich selbst in
Beziehung treten, ist in meinen Augen die wichtigste Chance des Zeichnen
und Malens überhaupt. Wir erleben immer wieder, dass das nicht ohne
Schmerzen abgeht "Mein Bild ist gar nicht so gut geworden wie ich wollte!"
aber auch bestärkend und kräftigend wirken kann "Das habe ich gemacht?
Sieht gar nicht so schlecht aus!". Wir lernen beim Malen etwas über uns
selbst. Selbsterkenntnis aber ist das vornehmste Ziel menschlichen Lebens
Überhaupt.
Ich habe hier nur die mir aus größeren Zusammenhängen heraus wichtigsten
Aspekte unserer Tätigkeit angedeutet. Es wären noch viele andere positive
Seiten erwähnenswert, wie beispielsweise die verschiedenen, den Verein
unterstützenden, Aktivitäten, das Erlebnis einer gemeinschaftlichen
Arbeitsatmosphäre trotz unserer individuellen Unterschiede, die
Vermittlung vieler anderer künstlerischen und außerkünstlerischen
Erfahrungen und Erlebnisse. Jeder von uns hat auch noch seine persönlichen
Gründe, warum er bei uns mitmacht. Dort stecken weitere positive Aspekte
unserer Arbeit.