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Natur & Kultur (LabSaal Lübars) e.V.
Konzertkritiken aus Oranienburg
Konzerte der "KlezMischpoche" in der Orangerie
Videos vom Konzert am 19.4.2008: Erste Vals Abi gesunt
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Vertonte Emotionen - das Konzert am 19.4.2008
KlezMischpoche aus Lübars spielte am Wochenende in der Oranienburger Orangerie / Musik aktivierte Herz und Tanzmuskeln
Oranienburg
Osteuropa vor dem Holocaust: Es war eine Welt, in der endlose Landwege die weite Landschaft durchzogen wie Falten ein Stück Stoff; ein "Schtetl" mit dem anderen verbindend. Auf ihnen waren die Menschen zu Fuß oder mit Pferdewagen unterwegs, gemächlich, ohne Abgase und Lärm. Auch in den Städten klapperten Pferdehufe und Holzräder über das Kopfsteinpflaster. Es war die Heimat vieler Juden, die in den Gegenden um Lodz oder Warschau und Krakau, oder auch in Litauen, der Ukraine und Ungarn lebten. Es war die Zeit der Kindheit von Isaac Bashevis Singer (1904 - 1991), dem Literatur-Nobelpreisträger und Sohn eines Warschauer Rabbis, der in vielen seiner unvergleichlichen Bücher die versunkene Welt osteuropäischer Juden wieder auferstehen ließ.
Die Bilder, die Singer mit Worten im Kopf entstehen lassen kann, bekommen Farbe und Lebendigkeit durch Klezmermusik - zum Beispiel durch die Musiker der "KlezMischpoche" aus Lübars, die am Wochende in der Oranienburger Orangerie im Schlosspark ein fantastisches Konzert gaben.
Mit den Klägen eines Akkordeons stimmte die Gruppe auf den außergewöhnlichen Abend ein und verdeutlichte sogleich zu Beginn mit einer leicht schwermütigen Melodie die Besonderheit des Klezmer: der Musikstil vereint Fröhlichkeit und Sentimentalität - bis hin zur Traurigkeit - gleichermaßen. Klarinette und Violinen als weitere tragende Instrumente kamen dazu, bis schließlich das gesamte Ensemble - derzeit 13 Musiker - einstimmte: Violoncello, Schlagwerk, Kontrabass, Gitarren, Querflöte und Posaune. Nicht nur bei den Zuhörern tippte mancher Fuß schließlich mit. Auch die "KlezMischpoche" - übersetzt die "Klezmerfamilie" verlieh ihrer Musik mit deutlich erkennbarer Lust am Spiel Ausdruck. Mit schöner, starker und voller Stimme gab Jenny Kühn vielen Liedern Sprache. Die Leiterin der 1992 gegründeten KlezMischpoche sang jiddisch, oftmals auch im Duett mit Jörg Hensel. Letzterer, von gemütlicher Statur, mit Vollbart und breitem Lächeln, erzählte anschaulich Anekdoten und erläuterte dem Publikum in der gut gefüllten Orangerie manchen Inhalt der Lieder. Denn Jiddisch ist manchmal recht schwer, wenn überhaupt zu verstehen. Denn Jiddisch ist eine Mischsprache aus deutschen Mundarten mit hebräischen sowie slawischen Bestandteilen.
Klezmer wie es heute gespielt wird, hat seinen Ursprung in der jüdischen Kultur Osteuropas vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Entstanden ist Klezmermusik bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, wobei schon im 15. Jahrhundert jüdische Musiker diese nichtreligiöse Musik entwickelten und sich selbst "klezmorim" nannten. Später, vor allem mit der Wiederentdeckung des Klezmer in den 1970er Jahren, wurde das Wort "Klezmer" zur Bezeichnung für das gesamte Musikgenre. Chrakteristisch sind ausdrucksstarke Melodien, die ursprünglich nur instrumental sind, wobei der Spiel-Stil meist der menschlichen Stimme nachempfunden ist. Es gibt allerdings unzählige Lieder, die zusätzlich mit jiddischen Texten vom Leben erzählen, vom Verliebtsein und vom Tanzen, vom Verlieren und vom Sehnen, vom Sterben und vom Unglück, vom Träumen und vom Lachen. Die Musik transportiert dabei in einer einzigartigen Mischung und mit einem ganz speziellen Timbre Lebensfreude und Fröhlichkeit aber auch Nachdenklichkeit und Trauer zugleich. Dabei berührt aktiviert sie Herz und Tanzmuskeln gleichermaßen.
So durfte dann auch die "KlezMischpoche" die Orangerie nicht ohne Zugabe verlassen. So mancher Zuhörer bedauerte es, im Saal keine Möglichkeit zum Tanzen gehabt zu haben, lädt doch gerade Klezmermusik dazu ein.
Wer einmal Lust hat, danach zu tanzen, kann zum Stammhaus der "KlezMischpoche" nach Lübars fahren. Im dortigen Labsaal finden regelmäßig übers Jahr verteilt Tanzabende mit Klezmermusik statt. Dann spielt die Gruppe "tants in gartn eydn" - das nächste Mal (aktuelle Termine) . Der Labsaal bietet darüber hinaus noch einiges mehr an Kultur, organisiert vom Verein Natur und Kultur, dem auch die "KlezMischpoche" angehört. Letztere ist viel unterwegs und tritt nur selten in Lübars auf.
Das Ensemble wird dieses Jahr aber voraussichtlich nochmals in Kremmen zu sehen und zu hören sein. Informationen dazu gibt es auf den Internetseiten der Gruppe und des Vereins.
Internet: www.klezmischpoche.de / www.labsaal.de
Judith Ziehm-Degner / Hennigsdorfer Generalanzeiger, 22.4.2008
Konzertkritik
Auftritt der „KlezMischpoche“ am 25.2.2006 – Orangerie / Oranienburg
Märkische Allgemeine 27.2.2006
Der Rabbi trinkt Branntwein
Die Kapelle "Klezmischpoche" bezauberte mit jiddischen Liedern voll Freude und Wehmut
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